Jutta Ditfurth: Welthirnjauche

Welthirnjauche* No. 1 vom 16.2.2014

Jürgen Elsässer ist angekommen – bei Wehrsportgruppen-Hoffmann

Elsässer, vor Jahrzehnten einmal Kommunist, heute Chefredakteur des rechten Mediums Compact, kokettiert schon seit langem mit Völkischen und Nazis, Homophoben und Antifeministen. Nun wird er zum Propagandisten von Karl Heinz Hoffmann, dem Chef der 1980 verbotenen mörderischen Wehrsportgruppe (WSG) Hoffmann. Hoffmann muss Sorge haben, dass der neue Kino-Film »Der blinde Fleck« dazu anregt - sagen wir es einmal zurückhaltend – über seine Schuld neu nachzudenken. Basis des Films ist die hartnäckige Recherche des Journalisten Ulrich Chaussy. Der Film stellt die Frage nach den wahren Tätern und den Hintergründen des Oktoberfestattentats vom 26.9.1980 bei dem 13 Menschen ermordet wurden und 211 verletzt und 68 von ihnen schwer. Gab es wirklich nur den »Einzeltäter« Gundolf Köhler, der gleichsam zufällig Mitglied der Wehrsportgruppe Hoffmann war?

Elsässer stellt nun am 20. Februar in Berlin »einen Compact-Film über das Oktoberfestattentat« vor. Er schreibt selbst: »Zum ersten Mal trafen unter Moderation von COMPACT-Chefredakteur Jürgen Elsässer Vertreter der unterschiedlichen Positionen aufeinander: Der Schweizer Historiker und Geheimdienstexperte Daniele Ganser und Karl-Heinz Hoffmann«. Hoffmann war also Gesprächspartner von Jürgen Elsässer für diesen Film.

Zu Hoffmanns Grundbesitz gehört seit 2004 das Rittergut Sahlis, das vor 1945 meinem Urgroßonkel Börries von Münchhausen gehörte. Es liegt in der sächsischen Kleinstadt Kohren-Sahlis. Über Münchhausens vernichtenden Hass gegen die Juden habe ich das Buch »Der Baron, die Juden und die Nazis« geschrieben. Darin kommt auch Hoffmann in Kohren-Sahlis vor. Am 8.2.2014 hatte ich eine Lesung mit diesem Buch vor rund 230 ZuhörerInnen im Rittersaal des alten Münchhausenschen Stammschlosses Windischleuba (bei Altenburg/Thüringen), das heute glücklicherweise eine Jugendherberge ist. Nicht nur ich bin mir nachträglich zu 80 Prozent sicher, dass Hoffmann bei der Lesung war. Wäre es gleich klar gewesen und wäre die Information nicht unter den Umständen einer rappelvollen Veranstaltung untergegangen, wäre er rausgeflogen, selbstverständlich.
 
Literaturempfehlungen:
 
Zu Münchhausen und Hoffmann: http://www.jutta-ditfurth.de/Baron-Juden-Nazis/Baron-Juden-Nazis.htm

Zu Hoffmann, WSG, Oktoberfestattentat:
Ulrich Chaussy: Oktoberfest – Das Attentat. Wie die Verdrängung des Rechtsterrors begann. Ch. Links Verlag, Berlin 2014, ISBN 978-3-86153-757-1
 
Quelle der aktuellen Information Elsässer/Hoffmann am 20.2.2014: http://www.ruhrbarone.de/juergen-elsaesser-laedt-wehrsport-hoffmann-ein/74073

* Den Begriff habe ich Karl Kraus geklaut

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